Lokalgeschichte Das Mariahilferbräu und die Wiener Beisl-Kultur

Sonntagsbrunch im MariahilferbräuEin Beisl ist ein typisch Wienerisches, bodenständiges, gemütliches und gutbürgerliches Wirtshaus. Es ist ein Verwandter der italienischen Trattoria und entspricht grob dem, was in Deutschland „Kneipe“ und in der Schweiz „Beiz“ genannt wird. Das klassische Wiener Beisl hat eine geräumige Schank, wo Wein gekühlt und Bier gezapft wird, eine dunkel gestrichene Holzvertäfelung, einfache Tische und Sessel, traditionelle Küche und gemischtes Publikum.

Das Mariahilferbräu gehört zur Kategorie der in Wien weit verbreiteten Eckbeisln, die sich am Zusammentreffen zweier Straßen befinden. Baupläne für das Gebäude in der Mariahilferstraße 152 gibt es bereits seit dem Jahr 1870. Als erster Gastronom eröffnete kurz darauf Karl Zellhofer das Café Central, welches in den frühen 50er Jahren für Stoß-Spiel berüchtigt war.

Danach war für ungefähr 20Jahre das Tanzlokal „Tiroler Alm“ in den Räumlichkeiten untergebracht, bis im Jahr 1980 die Pizzaria Romigo eröffnete. Das Mariahilferbräu, wie wir es heute kennen, wurde im Jahr 2001 eröffnet. Das rustikale Bierlokal zelebriert die schmackhaften Traditionen der Wiener Küche, offeriert zu Mittag preiswerte Menüs und setzt auf saisonale Spezialitäten. Es ist nicht nur ein Treffpunkt für alle Generationen, sondern auch gleichermaßen beliebt bei Wienern und internationalen Gästen.

Der Schanigarten

Wenn bei schönen Tagen vor dem Lokal Tische und Sessel auf einem breiteren Gehsteig oder in einer Fußgängerzone auf der Straße stehen, so bezeichnet man das in Österreich als Schanigarten. Woher der Schanigarten seinen Namen hat, ist nicht vollkommen geklärt. Es gibt allerdings einige Mutmaßungen: Nach der einen stammt er von „Giannis Garten“, da Gianni Tarroni um 1750 die erste Genehmigung für einen Schanigarten am Graben bekam. Eine andere besagt, dass der Schani als Hilfsdiener von Kellner und Ober irgendwann einmal den Auftrag bekam: „Schani, trag den Garten außi“. Dieser brachte Sessel, Tische und Blumenkisten hinaus. Fertig war der Schanigarten. Auch soll der Begriff vom französischen Namen „Jean“ kommen, da man im Wien des 19. Jahrhunderts häufig den Kellner so nannte.

Sobald die ersten warmen Sonnenstrahlen die Sehnsucht nach frischer Luft und einem gemütlichen Gartenplatzerl wecken, sorgen die liebevoll arrangierten Schanigärten für Farbe und Leben im Wiener Stadtbild. Es gibt weltweit Gastgärten und Restaurant-Terrassen, aber der Charme des Wiener Schanigartens bleibt unerreicht.

Das Trinkgeld

Seit dem Mittelalter, als man damit anfing, Kutscher und Knecht ein paar Groschen zuzustecken, dass sie sich in den umliegenden Wirtshäusern einen Schnaps gewähren konnten, entwickelte sich die Gewohnheit des Trinkgeldes zur Sitte. So verwiesen im 19. Jahrhundert die Dienstherren Knechte schon bei der Bemessung des Lohnes auf das Trinkgeld, mancher bekam abgesehen vom Trinkgeld überhaupt keinen Lohn. Heute gibt es freilich gesetzlich geregelte Lohnverordnungen, jedoch stellt das Trinkgeld nach wie vor eine wichtige Einnahmequelle für das Servicepersonal dar. Im Restaurant oder Café hat es sich eingebürgert einen Betrag in Höhe von ungefähr zehn Prozent des Rechnungsbetrages zu geben. Die Idee des Trinkgeldes ist heute, denjenigen einen Bonus zu geben, die einen wichtigen Einfluss auf die Qualität der Dienstleistung haben indem sie sich besonders um das Wohlergehen der Gäste bemühen. Wahre Dankbarkeit, so sagt der Volksmund, lässt sich mit Worten nicht ausdrücken. Aber sie lässt sich mit Geld ausdrücken, wenn man etwas Trinkgeld gibt: Guter Service ist immer einen kleinen Extrabetrag als Anerkennung für den Bedienenden wert.